Sterbebegleitung, Trauerarbeit, Helfende Hände: Ohne Ehrenamtliche wäre vieles von dem, was der Ambulante Hospiz Oberhausen e.V. leistet, nicht möglich. Beim 27. Politischen Nachtgebet – im Rahmen der Oberhausener Demokratiewoche – brachte der Verein diese Erfahrung nun in eine größere gesellschaftliche Debatte ein. In der Lutherkirche ging es am 22.9.2026 um die Frage, was Ehrenamt heute braucht – und was es für eine demokratische Gesellschaft leistet. Und so lautete der Titel auch passgenau: „Demokratie braucht Ehrenamt“.
Rund 50 Gäste kamen dazu in die Lutherkirche. Statt klassischer Stuhlreihen erwarteten sie gedeckte Tische mit Getränken und Knabbereien. Die lockere Anordnung schuf einen Rahmen, in dem Vortrag, Gespräch und die Erfahrungen der Gäste ineinander übergehen konnten. Die 1899 eingeweihte Lutherkirche passt dazu perfekt, verzichtet sie doch seit Jahrzehnten auf die festen Kirchenbänke. Gottesdienste finden hier zwar weiterhin statt, zugleich lässt sich der offene Kirchenraum für Gespräche, Veranstaltungen und Konzerte nutzen. So geschehen.
Einen Schwerpunkt des Abends setzte Prof. Dr. Andrea Walter von der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW. Sie forscht zu Zivilgesellschaft und bürgerschaftlichem Engagement und stellte Erkenntnisse zur Entwicklung des Ehrenamtes vor. Dabei ging es auch um veränderte Formen des Engagements und dessen Bedeutung für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratie.
Gerade diese Perspektive blieb bei der Koordinatorin Nicole Peters-Bokelmann vom Ambulanten Hospiz Oberhausen e.V. besonders haften. „Ich fand es ausgesprochen spannend, unsere Erfahrungen aus der täglichen Arbeit einmal mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Ehrenamt zusammenzubringen“, sagt sie. „Vieles, was wir bei uns beobachten, bekommt dadurch noch einmal einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang.“
Peters-Bokelmann berichtete daher an diesem Abend aus der Hospizarbeit: von Sterbe- und Trauerbegleitung, den „Helfenden Händen“, der Qualifizierung Ehrenamtlicher und davon, wie sich Erwartungen an freiwilliges Engagement verändern. Eine weitere Perspektive brachte Melanie Gehrke-Marolt, Theologin und Seelsorgerin im Kirchenkreis Oberhausen, ein. Pfarrer Andreas Loos führte durch das Gespräch. Abschließend beteiligten sich die Gäste mit Fragen und eigenen Erfahrungen. Sebastian Dey begleitete den Abend mit mehreren Eigenkompositionen.
So trafen in der Lutherkirche wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrungen und persönliche Geschichten aufeinander – bei einem Thema, das das Ambulante Hospiz seit vielen Jahren täglich begleitet.