Fünf Monate lang haben sie über Trauer gesprochen, über Schmerz, über Verlust und darüber, wie man Menschen in dieser Zeit begleitet. Nun ging beim Ambulanten Hospiz Oberhausen e.V. eine besondere Fortbildung zu Ende. 16 Ehrenamtliche schlossen die Qualifikation zur Trauerbegleitung erfolgreich ab. Sie können nun Menschen stärken, die nach einem Verlust ihren Alltag neu finden müssen.
In Deutschland sterben jedes Jahr rund eine Million Menschen, im Schnitt mehr als 2.700 Sterbefälle an jedem Tag. Und hinter jedem Tod stehen Angehörige, Freundinnen, Nachbarn, Kolleginnen und Familien, die aus dem Takt geraten. Trauer ist deshalb kein Randthema. Sie gehört mitten in die Gesellschaft.
Geleitet haben den 80 Unterrichtseinheiten fassenden Kurs die Koordinatorinnen Nicole Peters-Bokelmann (rechts im Bild) und Claudia Wegner. Früher konnten Ehrenamtliche nach ihrer Qualifikation zur Sterbebegleitung einen 40-stündigen Aufbaukurs besuchen. Mit dieser Fortbildung ändert sich der Zugang. Die Sterbebegleitung ist keine Voraussetzung mehr, dafür dauert die Qualifizierung länger. „In der Sterbebegleitung können Ehrenamtliche oft entlasten, organisieren, zuhören, Wünsche ermöglichen oder weitere Hilfe vermitteln. In der Trauerbegleitung funktioniert das anders. Der Schmerz lässt sich nun mal nicht lösen wie ein praktisches Problem. Er bleibt da, manchmal lange, manchmal lebenslang“, sagt Nicole Peters-Bokelmann. Deshalb übten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch die Gesprächsführung und sprachen über Haltung, Nähe und Grenzen.
Katharina Völlmer ist mit 24 Jahren die jüngste Teilnehmerin. Sie hat bereits vor zwei Jahren die Qualifikation zur Sterbebegleitung absolviert. „Ich habe in der Trauerqualifikation so viele neue Infos bekommen, aber auch ältere Inhalte vertieft“, sagt sie. Dass sie sich so jung mit Sterben und Trauer beschäftigt, wundert manche in ihrem Umfeld. Zugleich entstehen aber gerade dadurch Gespräche, die sonst vielleicht nie geführt würden. Für Hanan Abdel-Fattah, 48 ist diese Fortbildung eine logische Fortsetzung ihres bisherigen Ehrenamts für das Ambulante Hospiz Oberhausen e.V. „Erst kommt die Sterbebegleitung und dann die Trauerbegleitung“, sagt sie. Und: „Die Trauer verbindet die Menschen, unabhängig von Religion oder Herkunft.“ Als Muslimin möchte sie künftig auch muslimische Trauernde begleiten. Und Arnold Bensch, 64, ergänzt: „Trauerprozesse sind so vielfältig wie die Menschen selbst.“ Ein Gedanke aus dem Seminar blieb ihm ganz besonders in Erinnerung: Nur wo viel Liebe war, kann auch viel Trauer sein.
Am Ende dieses Kurses steht für alle Teilnehmenden nicht nur ein Zertifikat. Hier hat sich eine neue Gruppe von Menschen gebildet, die der Trauer Raum gibt, weil sie sich nicht in ein Kommen und Gehen einsortieren lässt. Stattdessen besitzt sie auf ganz selbstverständliche Art etwas Unberechenbares. Und ja, die Trauer verändert sich mit der Zeit. Aber wann und wie bleibt ihr stilles Geheimnis.