Manchmal braucht Trauer keinen festen Ablauf. Manchmal reicht ein Tisch, ein Getränk, ein offenes Ohr – und Menschen, die verstehen, wie sich Verlust anfühlt. Genau dafür hat das Ambulante Hospiz Oberhausen e.V. im März den neuen Trauerstammtisch ins Leben gerufen. Das frühere Trauercafé gibt es nicht mehr. An seine Stelle tritt nun ein Abendangebot, das besonders auch Berufstätigen die Teilnahme erleichtert.

Der Start zeigt: Der Bedarf ist groß. Bereits beim zweiten Treffen kamen 14 Trauernde zusammen, beim nächsten Abend waren es rund 16. Viele von ihnen hatten vorher noch keinen Kontakt zum Ambulanten Hospiz Oberhausen. Sie fanden den Weg über das neue Angebot – und blieben nicht allein mit ihrer Trauer.

„Wir sind in Summe sehr zufrieden mit dem Start des neuen Trauerangebotes“, sagt Deborah Rau, Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes. Sie erlebt, wie schnell der Stammtisch Menschen miteinander verbindet. Einige Gäste haben sich bereits außerhalb der Treffen verabredet und eigene kleine Gruppen gebildet. Aus einem ersten Gespräch entstehen neue Kontakte, manchmal sogar erste Schritte zurück ins Leben.

Der Abend beginnt bewusst ungezwungen. Es gibt Softgetränke, Kaffee, Tee, aber auch Bier und Wein. Kleine Knabbereien oder Häppchen stehen bereit. Wer kommt, setzt sich dazu, hört zu, erzählt – oder schweigt erst einmal. Niemand muss etwas leisten. Niemand muss seine Trauer erklären. Meistens, sagt die Koordinatorin, komme das Gespräch ganz von allein in Gang.

Damit der Einstieg leichter fällt, nutzt das Team kleine Gesprächsanlässe. Bei den ersten Treffen beschrieben die Begleiterinnen Bierdeckel mit Fragen und Gedankenimpulsen. Ein Plakat erinnert zudem an einfache Regeln für ein achtsames Miteinander. So entsteht ein geschützter Rahmen, ohne dass der Abend starr wirkt.

Fünf ausgebildete Trauerbegleiterinnen begleiteten zuletzt den Stammtisch. Sie setzen sich zu kleinen Gruppen, hören zu oder bieten Einzelgespräche an. Denn manchmal kommen die Tränen schon bei der Begrüßung. Dann nimmt sich jemand Zeit, geht mit der betroffenen Person zur Seite und bleibt so lange, wie es nötig ist. „Die Menschen finden hier eine Gemeinschaft und sind nicht allein mit ihrer Trauer. Das ist wirklich toll. Für die Trauernden, aber auch für unsere Ehrenamtlichen, die das begleiten“, sagt Deborah Rau.

Der Trauerstammtisch zeigt schon jetzt, wie wertvoll offene Begegnung sein kann. Er lädt Trauernde ein, sich auf den Weg zu machen – nicht weg von der Trauer, sondern mit ihr durch die Zeit. Gemeinsam, in guter Gesellschaft und mit Menschen, die da sind.